Urheber-Manipulation mittels tückischer Waffe

13. Juli 2009 by Sylvia-Inez Rolke

Ihre Bekannte hat Ihnen erzählt, sie habe unwissentlich einen Engel fotografiert? Und Sie kann es Ihnen beweisen?

Vielleicht ist Sie dann dem Täter einer ausgezeichneten Innovation zum Opfer gefallen. Letztes Jahr wurde Julius von Bismarck für seinen Fulgurator mit dem Ars Elecctronica Preis ausgezeichnet, vielleicht kennen Sie daher die Entdeckung schon. Für uns ist es aber nach wie vor ein Exempel ausgezeichneten Erfindergeistes. Der Fulgurator, also das besagte Gerät des Erfinders, sieht aus wie eine große Spiegelreflexkamera mit einem großen Objektiv. Doch in der Kamera sind Teile der Erfindung verborgen. Schablonen, wie ein Kreuz, ein Logo, ein Symbol oder eben ein Engel… Wenn nun bei einem Event alle Fotografen ein Ereignis oder einen Star fotografieren wollen, werden – wenn sie Pech haben -  ihre Bilder mit eben diesen Motiven manipuliert. Der Fulgurator schafft es, ausgelöst durch ein/den Blitz der Umgebung in dieser besagten Sekunde, aus eben dieser manipulierten Kamera, eine Projektionsbild auf das Ziel zu richten.

Alle anderen Fotogafen, die nun das Bild in der Kamera haben, haben diese Projektion nun unwissentlich miteingefangen. Wenn Sie Pech haben, merken Sie es erst bei der Entwicklung… die anderen, wenn Sie das digitale Material sofort sichten. Schauen Sie selbst:

Nun ist der Werbebranche eigentlich klar, was diese mit solch einem Gerät an “Guerilla-Marketing” im wahrsten Sinne des Wortes anstellen kann? Nicht nur, dass sie jeden Fotografen bei einem Event ein Logo aufzwingen könnten, vielmehr noch, dass ausgerechnet die Fotografen in die Hand der Presse arbeiten und diese von Ihrer Wirkung zwangsläufig berichten müssen. Verschleiert unbemerkt in der Menge “mitschießen” und wenn nötig sogar das einzige nicht manipulierte Bild schießen (weil ja Kontolle darüber). Welches Bild wird dann wohl sehr wertvoll? Sollte man das Medium jetzt von einer destruktiven Warte aus beleuchten…

Eines steht fest, für Aufsehen wird der Fulgurator sicherlich noch sorgen. Erste Agenturen haben auch schon versucht, dem Erfinder die Waffe mit all ihren Geheimnissen zu entlocken. Mal abwarten, was passiert, wenn der Fulgurator “marktreif” wird. Was wird es hier gegebenenfalls für juristische Debatten geben, sowohl von Seiten der Urheber, des vergeisterten Urhebers und aus der Sicht des Abgebildeten. Das Persönlichkeitsrecht. Wir werden sehn!

In einem fiktiven Projekt haben meine Kollegin Anke Schmidt und ich uns bereits darin versucht, mittels Blitz einem Bewegungsmelder und einer Lichtschranke eben solche Effekte der Aufmerksamkeit auszuloten. An dieser Stelle damals, um bei einer Produkteinführung auf das zur Schau stellende Display aufmerksam zu machen. Man lief daran vorbei und wurde just mit einem blauen Blitz abgeschossen. Man hatte es bei uns aber bemerkt.

Werbemittel, die in jeder Art unsere Wahrnehmung und dabei unsere natürlichen Möglichkeiten dafür nutzen, sie geschickt zu steuern, werden wir wohl begrüßend und voller Spannung in unserer Werbewelt noch häufiger zum Einsatz bekommen sehen. Kennen Sie vielleicht schon andere Werbeformen dieser Art? Vielleicht das Schattenplakat? Oder die Flogos? Teilen Sie uns gerne mit, was Sie entdeckt haben!

Posted in Innovation, Kreativität, Marketing

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