13. Mai 2009 by Sylvia-Inez Rolke
Der Kommunikationsweg zur oskarkrönenden Adaption (Virginia Woolf) oder die Grimmsche Warnung vor vielen Fragen und falschen Antworten (Rötkäppchens böser Wolf). Gib acht, mit wem Du Dich einlässt, wie, wann und wo. Die Schulz and Company hat schon 1890 mit diesem Appell ihre STAR-Seife reklamiert. Nach dem Motto: wasche Dich rein…

Frage - Antwort Spiel
Von gläserner Transparenz, Feedback, Geschwindigkeit, Kontrollfunktion, Reputation, Handling, Tools und eigentlich dem ganzen Verständnis von Twitter. Immer mehr kennen Twitter. Immer mehr möchten auch gerne dazugehören, wissen, was da so wertvoll ist und wie das geht. Alles schreibt darüber; viele mit einem Selbstverständnis des Involviertseins. Wir versuchen hier zu schreiben, als würden wir eine Neuerfindung Namens Twitter heute auf den Markt bringen und vorstellen. Mit allen Hintergünden, Vor- und Nachteilen.
Soziologische Hintergründe, der tatsächliche Innovationsfaktor
Es ist nun etwas mehr als 10 Jahre her, da trat nicht nur das Internet in unser Leben, da öffneten sich Türen neuer Kommunikationsmöglichkeiten. Der Chat – noch lange bevor sich Datingbörsen etablierten – schuf eine neue Weise, mit der man sich anderen “Gleichgesinnten”, in diesem Fall auch anderen Chattern, mitteilen konnte. Es war mIRC, das Programm, das in den Internetcafés automatisch hochstartete, schaltete man den Rechner an. Ein IRC Client (Internet Relay Chat) benötigte man damals, um mit dem dahinterhängenden Server als Vermittler zwischen den einzelnen Chattern zu fungieren. Typischerweise hatte der Chatroom schon damals ein zweiteiliges Fenster. Viele andere folgten und unter MSN wurde die Kommunikation zunehmend globaler.
Es ist fast genauso lange her, da schaffte man sich das erste Handy an. Mit der Option drahtlos von jedem beliebigen Ort aus zu telefonieren, wurde die SMS beliebt (die Erklärung ersparen wir uns). Typisch für die SMS war es, dass man nur wenige Zeichen pro Mitteilung zur Verfügung hatte. So sparte man sich unnötig lange Phrasen und kam in Kurzform auf den Punkt des Mitteilungswunsches. Das war toll, wollte man nicht lange reden und mal schnell etwas wichtiges, wie einen Treffpunkt oder dergleichen festhalten. Nun konnten wir uns nach wie vor nur jenen mitteilen, die wir kannten.
Das sollte sich nun ändern. Eine neue Kommunikationsplattform, die die Vorteile beider oben beschriebenen Funktionen inne hat, ist zu einer neuen Methode zusammengeschmolzen. Es verwundert doch schon, dass ein Medium wie Twitter, mit der Flut an Informationen über das Portal, fast wie eine Neuerfindung gepriesen wird. Kann es nur lediglich mehr, als das, was wir schon vor 10 Jahren hatten. Es wundert auf der anderen Seite aber nicht, da es durch die offene Kommunikationsmöglichkeit nahezu alle “offenen Reden” revolutioniert. Wenn nun jeder jedem x-Beliebigen binnen von Sekunden eine wertvolle Information zustecken kann – kenne ich den Adressaten oder nicht – dann spielen Hierarchie-Barrieren im Informationsaustausch keine Rolle mehr. Da ist es also wenig verwunderlich, warum sowohl Presse als auch Unternehmen und Politik darauf reagieren. Die Presse, weil ihre gefilterte Mitteilung nicht mehr die einzige ist, die Unternehmen, weil publik gemachte Beschwerden imageschädigend sind und die Politik, weil die Meinung des Volkes die Wählerstimmen bedeutet. Da müssen alle reagieren. Und Angriff ist die beste Verteidigung. Es wäre also unklug ein “manipulatives” Instrument zu ignorieren, wenn es doch beträchtlichen Einfluss auf eine große Menschengruppe ausübt. Und bevor unkontrolliert, hinter dem Rücken quasi, getwittert wird, twittert man lieber mit. Und ganz von der Reputationspfelge abgesehen ist es natürlich ein günstiger Multipliaktor. Mundpropaganda via Twitter. Im rasanten Tempo.
Möglichkeiten, Handhabung, ergänzende Tools
Doch was tut man da beim Twitter eigentlich? Zunächst meldet man sich unter einem Usernamen an. Diesen kann ich x-beliebig wie beispielsweise “Krönchen” wählen. Sekunden nach dem ein Autorespond meine Anmeldung bestätigt, kann es schon losgehen. Zwei Fenster gibt es: das Mitteilungsfenster und das Informationsfenster. Über die Information navigiere ich auf “Suchen” und schaue einfach, wen ich hier so alles antreffe und kenne. Finde ich Karl-Heinz-Dieter, dann zeige ich mich, indem ich ihn verfolge “follow”. Jetzt erhält K-H-Dieter eine Email, dass Krönchen ihm folgt. Nun kann er das dulden oder sich sagen: die Schnepfe wird mich sicher Bestalken, nein, das möchte ich nicht. Dann klickt er in diesem Fall auf “Block”. Ich kann also nicht sehen, was er so alles in 140 Zeichen seinen Verfolgern mitteilt. Wenn er sich aber noch an unseren schönen Abend von anno dazumal erinnern kann, dann wird er sicherlich neugierig und “fallowed” mich zurück. Mit der Zeit verfolgt man dann zunehmens mehr Leute und sieht unter dem Reiter “Home”, was alle so schreiben. Meine Gefolgschaft sieht ihrerseits, was ich so alles schreibe, wenn diese entweder innerhalb von Twitter auf mein Bild klicken oder das mit dem Usernamen angelegte Profil eingeben. Es hat klassischerweise den Internetpfad: www.twitter.com/krönchen.
Nichts anderes passiert hier! Was es aber so spannend macht, ist die Weite und Breite. Ein Insidertipp von mir kann innerhalb kürzester Zeit an unendlich viele weitergetragen werden. Populäre Stars können sich zeigen wie sie sind, ohne von der Meinung anderer verfälscht zu werden. Imagepflege. Unternehmen nutzen Twitter, um sich zum einen kompetent zu zeigen, zum anderen einen dynamisch schnellen Informationsaustausch in ihrer Branche gewiss zu sein und zu guter Letzt, um sich an das Volk, die Käufer etc. zu wenden. Mängel von Produkten oder Servciefehler, die zu verantworten sind und kundgetan werden, finden Gehör und werden oft mit Entschuldigungen etc. quittiert. Aber auch das twittern im Unternehmen selbst, zur Optimierung des Informationsaustausches wird immer häufiger geprobt. Als Tool zur Erhöhung der Corporate Communication und zu Teilen dadurch auch dem Commitment zur Coporate Social Responsibility.
Es bietet sich die gleiche Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten, wie man sie in der realen Kommunikation mit all ihren unterschiedlichen Absichten kennt. Twitter kann sehr anstrengend sein. Stellen Sie sich einfach vor, Sie beobachten 200 Leute, die alle jeden Tag ungefähr 10 wichtige Dinge loswerden wollen. Da sind Sie schon bei 2000 Informationen. Und wann bitte sollen Sie die alle lesen, geschweige denn aufnehmen? Sie verstehen, es macht keinen Sinn wild Leute zu verfolgen, dem Verfolgenswillen halber. Es leuchtet ein, dass Sie, wenn Sie nicht hauptberuflich twittern, so mit der Zeit ihre eigene twitterangewohnheit etablieren. Mit all dem Nutzen, den Sie sich zuteil wünschen. Diese Problematik ist schon erkannt. Zahlreiche Tools schaffen dem Nutzer Möglichkeiten der Abhilfe.
Zuerst anmelden und registrieren: www.twitter.com
Dann die Mitteilungsflut organisieren. Ein Tool kostenlos nutzen, das Überblick verschafft: www.tweetdeck.com
Anschließend eine Anwendung für das Handy/I-Phone nutzen: www.hahlo.com
Ein weiteres Tool, das Adressnamen organisiert und Infohappen von beliebigen Websites nach Markierung direkt twittert (schließlich hat man nur 140 Zeichen): www.twitter.grader.com . Weitere Erklärung hier.
Nach Themen suchen, über die getwittert wird: www.icerocket.com oder hier: www.search.twitter.com
Wenn man bereits viele Follower hat und Twittern als Marketinginstrument verwendet, schaut man nach, welche Verfolger wann und warum abgesprungen sind: www.twitterless.com
Schauen (sekundengenau), wer welche Bilder über Twitter versendet: www.twitpic.com
Twitterstress: nein! Wie nutze ich Twitter trotzdem wertvoll…
Was ist, wenn ich nicht twittern möchte? Meine Privatsphäre ist mir wichtig, es interssiert aber dennoch, über was die Menschen so alles twittern. Z.B. wäre es doch interessant zu wissen, wie lange eine Virale-Marketing-Kampagne hält; oder ob diese es wirklich bis in die Twitternachrichten geschafft hat? Eine Nachricht wird über das Radio veröffentlicht, wie viel davon wird rezipiert und weitergetragen? Wie viel wird darüber gesprochen? Wie lange? Wann lässt sich ein Höhepunkt ablesen, wann nicht? Über was wird eher morgens und über was eher abends getwittert?
Fragen, Fragen, Fragen. Hier ist die Lösung: www.twist.flaptor.com. Einfach den Begriff, den man analysieren möchte eingeben und man erhält die Tagesperformance des Begriffes. Am besten “in english”, weil das Twittern hier in Deutschland erst einmarschiert…